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Der Preis macht die Musik

Warum der Preis entscheidend ist

Eines ist ganz klar, das Image der Friseurbranche ist mies - richtig mies. Die Berichterstattungen der Medien haben da in der letzten Zeit auch nicht so wirklich zu einer Verbesserung beigetragen, eher ganz im Gegenteil. Da wird ganz groß erläutert und beschimpft, dass die Friseure ja so wenig verdienen, dass dieses Desaster bereits in der Ausbildung beginnt und dieser Beruf die Ausbeutung am Mensch schlechthin ist.

Die mitwirkenden Saloninhaber solcher Beiträge haben leider oft auch nicht die idealsten Aussagen in Bezug auf die Lohnsituation getroffen. Wobei ich mir da auch gut vorstellen kann, dass diesen die Antworten quasi in den Mund gelegt bzw. die Sequenzen dann entsprechend zurechtgeschnitten wurden. Was nämlich in fast allen Berichten, meiner Meinung nach, nicht ausreichend kommuniziert wurde, ist die Tatsache, dass nur Geld in höhere Löhne investiert werden kann, das dem Salon auch zur Verfügung steht. Das bedeutet, es muss ein entsprechender Umsatz vom Team erwirtschaftet werden. Denn abgesehen von Miete, Wasser und Strom, fallen neben den Lohnkosten auch noch weitere Kosten an - doch dazu in einem anderen Artikel mehr.


Umsatz = Menge x Preis

Das bedeutet, dass ein Salon im Monat X Dienstleistungen zu einem Preis von Y € erbringen muss, um einen bestimmten Umsatz zu erwirtschaften. Jetzt könnte man natürlich sagen: "Aja, dann bedient doch einfach jetzt mehr Kunden, in der gleichen Zeit und dann ist ja mehr Geld für die neuen Löhne da..." Das wäre zwar eine Möglichkeit, aber was wären die langfristigen Folgen von diesem Konzept?

 

Eine Leistung braucht nun mal eine entsprechende Zeit, um ausgeführt zu werden. Wenn ich meinen Mitarbeitern (und auch mir selbst) diese Zeit kürze, dann werden nicht nur die Ergebnisse Ihrer Frisuren, Schnitte und Farben schlechter, es würde ebenfalls eine permanente Unruhe im Salon herrschen, durchzogen von Stress und hoher Belastung für uns alle. Die Stimmung würde sich verschlechtern, die Nerven jedes einzelnen wären blank und der Spaß an dieser eigentlich wundervollen Arbeit geht komplett verloren. Durch die fehlende Motivation, kommt es vermutlich auch vermehrt zu Ausfällen unserer Friseure aufgrund von Krankheit, wodurch wir dann einigen Kunden ihren Termin wahrscheinlich absagen müssten.

Willkommen in der Abwärtsspirale eines ehemals schönen und lustigen Friseurbesuchs!

Im Übrigen werden Sie dann auch keine Beratung oder Tipps mehr von uns bekommen - denn dafür bleibt keine Zeit. Wir machen alles wie gehabt und das noch ein bisschen schneller, Frisuren am Fließband. Von netten Gesprächen, gemeinsamen Witzen und guter Laune keine Spur mehr, alles ist irgendwie eintönig und grau. Ach ja, die Sauberkeit im Salon war auch schon mal besser, aber auch dafür bleibt kaum noch Zeit und Kraft übrig.

Ein Hoch auf unsere neue & tolle gemeinsame Zukunft, dank der alten & stabilen Preise!

Autorin: Christina Vock - Friseurmeisterin - Saloninhaberin   -   29. August 2018